DLRG Ennigerloh goes down under

Sechs Rettungssportlerinnen der DLRG Ennigerloh werden Mitte November 2018 nach Australien fliegen, um dort an der Weltmeisterschaft im Rettungsschwimmen teilzunehmen. Dort starten eben nicht nur Nationalmannschaften, sondern auch Vereinsteams. „Wir sind stolz, dass wir erstmals in allen drei Altersklassen vertreten sein werden“, sagt Trainer Juergen Wohlgemuth.

Die notwendigen Qualifikationen haben die Sportlerinnen in den vergangenen Monaten bereits erreicht. Und nebenbei wertvolle Wettkampferfahrungen bei Länderkämpfen in Belgien, Frankreich und den Niederlanden gesammelt.

Seit September 2017 arbeitet die DLRG Ennigerloh intensiv an dem Projekt »WM 2018«. Auf der einen Seite wird nachhaltig trainiert, auf der anderen Seite die Reise geplant und die Finanzierung gestemmt. „Ich finde es klasse, dass so viele Ennigerloher Unternehmen mit ihrem Sponsoring die Teilnahme möglich machen“, sagte jetzt Berthold Lülf bei einer Team-Vorstellung. Ennigerlohs Bürgermeister wünscht den sportlichen Frauen viel Erfolg bei der weiteren Vorbereitung und nicht zuletzt bei den Wettbewerben in Adelaide.

Schon 2016 war aus Ennigerloh ein Juniorinnen-Team bei der Vereins-Weltmeisterschaft in den Niederlanden erfolgreich – sie kehrten mit zwei Goldmedaillen und einmal Silber zurück nach Ennigerloh und wurden bei der Gala des Sports als Ennigerlohs »Sportler des Jahres« geehrt.

Auf einem großen Banner, das nun im Olympiabad Ennigerloh hängt, sind viele Unterstützer präsent. Dass die verhältnismäßig kleine DLRG-Ortsgruppe das Startgeld für die Seniorinnen (Masters), die Juniorin und die offene Klasse übernimmt, ist schon ein großer Kraftakt. Reise, Unterkunft und mehr müssen die Sportlerinnen indes selbst finanzieren. „Daher sind wir froh über die große Unterstützung aus Ennigerloh“, fasst Teambetreuer Juergen Wohlgemuth zusammen. Weitere Sponsoren sind aber auch jetzt noch willkommen. Die meisten werden – wenn man schon einmal down under ist – noch einen privaten Urlaub dran hängen, diesen aber natürlich rein privat finanzieren.

In Australien sind für die „Seniorinnen“ Stephanie Dittschar (50), Sabrina Hohenhorst (35), Anke Kürpick (47) und Anna Linder (31) Einzel- und Staffel-Wettkämpfe im Schwimmbad geplant. 100 Meter Retten einer Puppe mit Flossen ist zum Beispiel eine der Disziplinen.
Allein auf den Stranddisziplinen liegt der Schwerpunkt für Clara Steinberg (19) in der offenen Hauptklasse. Sie ist aktuell Deutschlands schnellste Sprinterin und kann auch europaweit vorn mitmischen.
Loreen Quinke (17) tritt derweil bei den Juniorinnen an – und trainiert gleich für alle Bereiche: Schwimmbad, Strand und Meer. Juergen Wohlgemuth ist als Trainer und Betreuer für alle Altersgruppen dabei.

Mit vier bis sechs Trainingseinheiten pro Woche ist der Tagesplan bei den Rettungssportlerinnen, die noch zur Schule gehen, im Studium stehen, oder einer geregelten Arbeit nachgehen, ordentlich ausgereizt. Doch mit den guten Ergebnissen aus dem Frühjahr und Sommer zeigt die Erfolgskurve kontinuierlich nach oben.

„Wir wollen aber nicht einfach nur teilnehmen, sondern mit vielen Bestzeiten unser Bestes geben“, skizziert Juergen Wohlgemuth die Ziele. „Wenn dabei auch eine Medaille herausspringt, ist das natürlich super.“ Das sei aber nicht unbedingt zu erwarten. Die Konkurrenz im Mutterland des Rettungssports wird groß sein. Wie groß, und vor allem wie stark, das lässt sich derzeit schwer einschätzen.

WM-Premiere für ein Ennigerloher Masters-Team

Wenn im Hallenbad Ennigerloh der Beckenrand gepflastert ist mit Schwimmflossen, Schwimmbrettern, Trinkflaschen und gelben Gurtrettern; wenn im Becken orangefarbene Kunststoffpuppen am Boden liegen - dann ist DLRG-Training. Und weil so mancher Badegast irritiert oder neugierig schaut, weist nun auch ein gelbes Hinweisschild darauf hin: "Hier trainiert das WM-Team der DLRG Ennigerloh."

Samstagmorgens schwimmen Sabrina Hohenhorst, Anna Linder und Stephanie Dittschar gern mal 3.800 Meter - oder anders gesagt: 152 Bahnen. Mal wird mit Flossen geschwommen, mal müssen Hindernisse untertaucht oder Puppen durchs Wasser geschleppt werden. Das alles sind Disziplinen, wie man sie im Wasserrettungsdienst braucht. Und führen noch dazu zu einem großen Ziel: Die Frauen trainieren für den größten aller Wettkämpfe, die Senioren-Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen in Adelaide. International gilt man bei der DLRG ab 30 als Senior. "Im November geht's nach Australien", sagt Sabrina Hohenhorst (36). Mit ihr, Anna Linder (31), Anke Kürpick (45) und Stephanie Dittschar (50) schickt die DLRG Ennigerloh in diesem Jahr erstmals ein Team zu einer Masters-WM.

Auch in anderen Wettbewerben wird die DLRG Ennigerloh vertreten sein: Loreen Quinke (17) startet im U19-Wettbewerb der Junioren; Clara Steinberg (bald 19) geht erstmals in der offenen Klasse an den Start. Sie gehörte zuletzt drei Jahre lang zur Junioren-Nationalmannschaft der DLRG und gewann bereits mehrere Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften. Als Trainer der Sportlerinnen ist Juergen Wohlgemuth mit an Bord, der auf fast 20 Jahre Erfahrung als Betreuer bei internationalen Meisterschaften zurückgreifen kann.

Die Wettbewerbe der drei Altersklassen finden in Australien sowohl am Strand von Glenelg als auch im Pool von Adelaide statt. Darauf bereiten sich die Athletinnen schon jetzt intensiv vor: Drei Trainingseinheiten pro Woche im Wasser, zusätzlich noch Kraftraum und Fitnessstudio. Die beiden Jüngsten machen zusätzlich Lauf- und Sprinttraining. Das alles neben Schule, Studium und Arbeit unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer leicht. Anna und Sabrina engagieren sich zudem im Vorstand der DLRG Ennigerloh, der hinter den Sportlern steht und sich freut, dass bereits einige lokale Sponsoren das ehrgeizige Vorhaben unterstützen. Neben den weiteren Aktivitäten der DLRG Ennigerloh ist in Zukunft noch häufiger mit den Hinweisschildern am Beckenrand zu rechnen.